rosig ...
grün!!!
Heute ist PR in den Medien so unverbrämt und unverschämt präsent, dass der Eindruck entsteht, auf sauber recherchierte und ausgewogene Inhalte achtet keine Sau mehr. Wenn ich (neuerdings) den Begriff “PR-Journalist” höre, wird mir immer noch übel. Morgens für das Handelsblatt über den deutschen Biermarkt schreiben und abends Pressemeldungen von Wernesgrüner Pils verschicken - das passt für mich einfach nicht zusammen. Auch klar: Für viele “Freie” ist die Doppelrolle in Medien und PR inzwischen lebensnotwendig. So far so good. (Anmerkung: Ich arbeite selbst für Unternehmen, vermische sie aber nicht mit meiner journalistischen Arbeit.) Jetzt habe ich dieser Tage von einer “Erhebung” Wind bekommen, die mich, wie die meisten “Erhebungen”, ein wenig belustigt. Und nach längerem Nachdenken doch sauer macht. Weil sie ein Bild skizziert, das ich “andersrum” kenne. Worum geht’s: Jede dritte (!) Pressestelle klagt über “desinteressierte” Journalisten, hat der PR-Trendmonitor unter 2570 Fach- und Führungskräften aus PR-Agenturen und Pressestellen von Unternehmen erfahren. Ah so. Die Journalisten sind es, die dem Posaunenchor das hohe C vermiesen. Ich hätte da ein paar Einwände: 1. Ich kann mich an keine EINZIGE Pressemeldung in 2011 erinnern, die mein Interesse an einem Thema geweckt hätte. Und meine "Inbox" ist jeden Tag gut gefüllt...Manche waren so grottenschlecht formuliert, dass ich mich gefragt habe, wie solche “Maßanfertigungen” das Haus verlassen dürfen. (Anmerkung: Wer es genauer wissen will, dem schicke ich bei Bedarf gerne ausgewählte “Unikate” zu…) Heute kam wieder so ein Kracher. Überschrift: “ALPHA Business Solutions ab sofort Value-Added Reseller und Mitglied im SAP Extended Business Programm”. Ja nee, is klar. Jeder Kollege springt dabei sofort aus dem Stuhl, in dem er sich vorher seiner Lethargie hingegeben hat, und ruft: Der Tag ist gerettet! Schnell ins Heft damit. 2. Ich kann diesen “freute sich” - “jubilierte” - “voll des Lobes” - “ist sich sicher, damit seinen Konsumenten den Mehrwert des Jahrtausends geliefert zu haben”-Mist nicht mehr sehen. Könnte man die Kunden zur Abwechslung nicht auch mal mit Substanz überraschen? Mit spannenden - oder zumindest spannend aufbereiteten - Inhalten? Mit Esprit??? Mit Meldungen, die ohne peinliche Superlative daher kommen? Ist doch klar, dass jeder den grünsten Rasen hat. 3. Die meisten Pressemeldungen, die ich bekomme, negieren jegliche Anforderungen an potenzielle Lust aufs Lesen. Spannung? Dramaturgie? Satzbau? Geschliffene Sprache? Hä??? Hauptsache Denglisch und Sätze mit möglichst vielen Substantiven. Lernt man DAS auf der PR-Akademie? Na dann gute Nacht! 4. Die größte Seuche sind Presseverteiler. Vor allem Presseverteiler, auf denen man sich ohne eigenes Zutun wieder findet. Die Luftvermehrung von Pusteblumen ist ein Scheißdreck dagegen. Jedesmal, wenn ich stichprobenartig nachfrage, wie ich zu der Ehre der Zusendung käme: “Ähm, ja so genau…also jetzt wo Sie’s sagen…” oder noch besser: “Sie sind da eingetragen auf dem.” Beim nächsten Mal gibt’s ‘ne Abmahnung. Oder ich twittere, was für einen Spam ihr verschleudert. 5. Ich liebe Pressemeldungen, die ich nicht verlangt habe, deren 2 bis 5 beigefügte 6 MB-Bilder ich im ICE aber erstmal fluchend herunterjuckeln muss, bevor ich an die gewünschten Nachrichten komme. Ich denke, auch der jüngste PR-Mitarbeiter sollte in der Lage sein, Mails mit Links zum Download auszustatten. So bleibt man dann auch gut Freund mit dem desinteressierten Schreiberling. Und PR-Senioren, bitte denkt auch mal kurz drüber nach. 6. Ein konstantes Ärgernis sind Pressestellen von Unternehmen, gerne auch Unternehmenskommunikation genannt. Manchmal wäre besser: Unternehmenskommunikationsvermeidung. Ich kenne und lerne immer noch welche kennen, wo man den Leiter der UK nur über ein Script auf der Website erreicht. Nein, keine direkte Telefonnummer. Wo käme man denn da hin. Da könnte ja jeder anrufen! Willkommen im 15. Jahrhundert. Sehr lustig die Antwort auf ein journalistisches Begehr, welches ich vor längerer Zeit dem Kommunikationsleiter eines großen deutschen Automobilherstellers zu senden erfrechte. Rückruf nach drei Wochen: “Ist das noch aktuell?” Übersetzt heißt das: Wir wären froh, wenn wir es nicht beantworten müssten. Hoffentlich ist ihr vermutlich uninspirierter Artikel in irgendeinem Käseblatt schon erschienen. 7. Da ich viel mit ihnen zu tun hatte und habe, ein kurzer Exkurs zum Kommunikationsverhalten von Verlagen. Ja, hier gibt es viele fähige und stets bemühte Menschen. Manche sind sogar richtig schnell. Aber die Medienhäuser spielen gegenüber Journalisten ein bisschen zu gerne mit der Macht. Wehe, das eigene Label wird in einem Beitrag mal nicht ausreichend gewürdigt - während der Wettbewerber über mehrere Absätze hinweg seine Reize präsentieren darf. Dann setzt es Haue, aber meist nicht auf direktem Weg, sondern vorzugsweise per Rabatz-Knopf beim Verlagsleiter unseres Auftraggebers. Die Verlage wissen nur zu gut, dass die armen Blätter eigentlich an ihrem (Anzeigen-)Tropf hängen und nutzen das weidlich aus. Stil ist eine Lebenshaltung, meine Damen und Herren! Beim Burda-Verlag hat man mir vor Jahren übrigens mal vorgerechnet, dass ich von einer vorherigen Anfrage, welche man ja “ausführlichst” auf 2 Seiten beantwortet habe, nur ca. 30 Prozent verwendet hätte. Was so ja nicht geht. Schließlich beschäftigt der Konzern ein paar Hände voll Pressestellenmitarbeiterinnenundmitarbeiter. Die wollen ja auch nicht umsonst da gesessen haben. Vermutlich lag dieses Missgeschick aber einfach an Antworten wie “freuen wir uns, unsere Leser mit exzellenten Inhalten usw. usf.” Ihr nennt es PR. Ich nenne es Mist. 8. Wann startet ein Journalisten-Trendmonitor oder wer auch immer eigentlich die Umfrage “Qualität der PR?” 9. Ob ihr’s glaubt oder nicht: Ich habe einige Freunde in PR-Agenturen. 10. Aber die besseren PR’ler - das sind die Journalisten. Sie wissen es nur noch nicht. Nachtrag: Wer sich vom Begriff “PR-Posaune” persönlich verunglimpft fühlt, möge diesen bitte mal googeln. Und erstaunt feststellen, wer ihn persönlich “geprägt” hat.PR und Journalismus. Zwei Welten. Sollte man meinen.
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Geht es nach den Ergebnissen einer aktuellen Online-Umfrage unter gut 2.200 deutschsprachigen Journalistinnen und Journalisten, bleibt immer weniger vom Nimbus des Traumberufs übrig. Fast drei Viertel der Befragten - darunter 27,1 Prozent Freie - finden, dass sich die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren verschlechtert haben und knapp zwei Drittel sehen sich einem starkem oder gar sehr starkem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. |
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Die wenig optimistischen Ergebnisse variieren kaum nach den Herkunftsländern der zwischen September und Oktober Befragten. Die kamen zu 80 Prozent aus Deutschland, die übrigen aus Österreich, der Schweiz und Slowenien. In allen Ländern nannten sie dem Münchner Online-Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com die gleichen Gründe dafür, dass sie einen steigenden wirtschaftlichen Druck empfinden: Zeitdruck und Arbeitslast nehmen darunter mit jeweils fast zwei Dritteln die Spitzenplätze ein. Aber auch direkte Gehalts- und Honorarkürzungen haben in Deutschland mit 35,8 Prozent ein erschreckend hohes Niveau. Knapp 70 Prozent der Befragten finden auch, dass der Mix ökonomischer Faktoren die journalistische Arbeit direkt negativ beeinflusst. - Nicht zuletzt, so fast 80 Prozent der unter Druck stehenden, weil journalistische Inhalte zunehmend zum Werbe-Umfeld verkommen. Dass die Einschätzungen von Freien (27,1%) Festen (66,5%) und in beiden Erwerbsformen arbeitenden (6,4%) gleichermaßen geteilt werden, kann auf Grund der eindeutigen Aussagen vermutet werden, die Darstellung differenziert die Ergebnisse leider nicht danach. - Klar wird auf jeden Fall, dass der empfundene Druck und die pessimistischen Zukunftserwartungen kein "Einsteigerproblem" sind: Nur etwa jeder und jede siebte Befragte arbeitet "erst" bis zu fünf Jahren im Journalismus, der weit überwiegende Teil bereits länger als zehn Jahre. |